Christ*innen wählen kein Rechts!

Rechtsextreme Parteien und solche, die am Rande dieser Weltanschauung wuchern, sind für Christinnen und Christen nicht wählbar1!
Aber warum?
Für Christinnen und Christen ist klar: Jeder Mensch besitzt eine unantastbare, bedingungslose und unverlierbare Würde. Sie ist begründet in der Gottesebenbildlichkeit und gesteht jedem Menschen Individualität, eine eigene Identität, elementare Rechtsgleichheit sowie die gerechte Teilhabe an materiellen und immateriellen Gütern, wie Nahrung, Wohnung, Bildung und Partizipation zu. Diese Überzeugung gründet sich unmittelbar im Evangelium: Jesus überschreitet religiöse, ethnische und soziale Grenzen und stellt den Menschen in seiner Würde in den Mittelpunkt2.
Rechtsextreme Einstellungen stehen hierzu im Widerspruch, da sie von einer ungleichen Wertigkeit von Menschen ausgehen. „Unter Rechtsextremismus versteht man Einstellungen oder Handlungen, die sich gegen die Gleichheit (bzw. Gleichwertigkeit) aller Menschen richten“3. Damit widersprechen sie nicht nur christlichen Grundüberzeugungen, sondern auch den Fundamenten der freiheitlichen-demokratischen Grundordnung.
Das zeigt sich unter anderem in einem grundlegenden Rassismus:
Der Rechtsextremismus ordnet Menschen anhand ihrer Abstammung sogenannten Völkern zu, die scharf voneinander abzugrenzen seien. Das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft oder Religion wird nicht unterstützt, sondern grundsätzlich infrage gestellt. In diesen Vorstellungen wird die gleiche Würde aller Menschen mindestens eingeschränkt oder sogar negiert. Besonders deutlich wird dies auch im fortwirkenden Antisemitismus rechtsextremer Ideologien, der sich gegen jüdisches Leben richtet und aus christlicher Verantwortung heraus entschieden zurückgewiesen werden muss. Aus dieser Sicht wird zudem ein „Sozialpatriotismus“ abgeleitet, der soziale Unterstützung und gesellschaftliche Teilhabe nur den Angehörigen der eigenen vermeintlichen „Blutsgemeinschaft“ zugesteht. Dies betrifft sowohl Bedürftige im eigenen Land als auch die internationale Solidarität, etwa in der Unterstützung der Entwicklungshilfe oder von angegriffenen Staaten. Eine solche Verengung des Solidaritätsprinzips auf herkunftsähnliche Menschen steht dem christlichen Menschenbild, der katholischen Soziallehre, sowie der deutschen Verfassung entgegen. Christliche Solidarität kennt keine nationalen oder ethnischen Grenzen, sondern orientiert sich am Gemeinwohl aller Menschen.
Ein weiteres Merkmal des Rechtsextremismus ist der sogenannte Sozialdarwinismus:
Der Wert eines Menschen bemisst sich im rechtsextremen Weltbild an seinem vermeintlichen Nutzen für die eigene Gesellschaft. Dies führt zur Diskriminierung von Menschen mit Behinderung, von physisch und psychisch Erkrankten sowie von sozial benachteiligten Gruppen. In Folge werden Maßnahmen zur Inklusion und sozialstaatliche Unterstützung weitgehend abgelehnt. Mit dem christlichen Einsatz für die Armen und Benachteiligten, wie ihn unter anderem auch Papst Franziskus und Papst Leo XIV. wiederholt einfordert haben, ist eine solche Logik unvereinbar4. Der Einsatz für die Schwächsten ist kein optionales Ideal, sondern Wesenskern christlicher Nachfolge.
In den vergangenen Jahren ist zudem zu beobachten, dass Gruppierungen und Personen aus dem rechten Spektrum verstärkt versuchen, ihr Menschenbild und ihre diskriminierenden Einstellungen als „normales“ Gedankengut in der Gesellschaft zu verankern. Dabei werden gezielt Existenzängste geschürt und Randgruppen als Sündenböcke für (reale oder empfundene) Missstände präsentiert. Gleichzeitig werden demokratische Institutionen, Medien und rechtsstaatliche Verfahren systematisch delegitimiert. Dies stellt eine ernsthafte Gefahr für das gesellschaftliche Zusammenleben dar.
Häufig werden hierfür Traditionsvorstellungen instrumentalisiert, wie sie auch in konservativen kirchlichen Kreisen vertreten werden, etwa das traditionelle Familienbild. Im rechtsextremen Kontext führt dies jedoch dazu, dass Menschen, die diesen traditionellen Normen nicht entsprechen, systematisch diskriminiert, diskreditiert und ausgeschlossen werden. Dabei ist klar festzuhalten: Konservative Wertvorstellungen sind nicht per se rechtsextrem. Problematisch wird es dort, wo Abwertung, Ausgrenzung und die Infragestellung der Gleichwertigkeit von Menschen beginnen.
Besonders betroffen von dieser Form von Hetze sind Personen aus der queeren Community sowie aus feministischen Bewegungen. Christlicher Glaube verpflichtet dazu, auch Menschen mit anderen Lebensentwürfen mit Respekt, Achtung und Gewaltfreiheit zu begegnen.
Unabhängig davon, wie man persönlich zum traditionellen Familienbild steht: Menschen systematisch mit Hass und zu überziehen, ihre Lebensweisen zu unterdrücken und sie von den Errungenschaften des demokratischen Sozialstaats ausschließen zu wollen, widerspricht eklatant der christlichen Botschaft von Nächstenliebe und von der Gleichwertigkeit aller Menschen.
Darum stimmen wir als BDKJ Nürnberg mit den deutschen Bischöfen überein, wenn sie sagen:
Rechtsextreme Parteien und solche, die am Rande dieser Weltanschauung wuchern, sind für Christinnen und Christen nicht wählbar!
Als Christinnen und Christen stehen wir ein für die unbedingte und gleiche Menschenwürde aller Menschen, für weltweite Solidarität, für gegenseitigen Respekt, für die Wertschätzung der Vielfalt von Lebensentwürfen, sowie für soziale Gerechtigkeit, gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine offene, vielfältige Gesellschaft.
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1 vgl. Deutsche Bischofskonferenz: Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar: Erklärung der deutschen Bischöfe, 03.2024, [online] https://www.dbk-shop.de/media/files_public/a56986289ce4037a4f18c78a098f22fc/DBK_10148.pdf
2 vgl. Lukas 10,25–37; Matthäus 25,31–46; Galater 3,28
3 Bundeszentrale für Politische: Rechtsextremismus, in: bpb.de, 17.02.2023, [online] https://www.bpb.de/themen/rechtsextremismus/dossier-rechtsextremismus/
4 vgl. Papst Franziskus: Evangelii gaudium; Papst Leo XIV.: Dilexi te